Sonntag, 21. Februar 2016

Cirque de Mafate

Drei atemberaubende Tage im Cirque de Mafate liegen hinter uns. Die Landschaft ist unglaublich vielfältig und einfach nur wunderschön. Und in den sehr idyllischen abgeschiedenen Dörfern ist die Welt scheinbar noch in Ordnung - jedenfalls in der Nebensaison. In der Hauptsaison ist sicherlich mehr los und man hat sich auf den Tourismus eingestellt.

Das Leben im Cirque de Mafate wird offensichtlich stark subventioniert. Jedes noch so kleine Dorf verfügt über eine Schule. Und auch die Gîtes werden zumindest teilweise von der Regierung unterstützt. Die Ver- und Entsorgung erfolgt aus der Luft - per Helikopter. Insbesondere morgens und nachmittags herrscht reger Flugbetrieb, fast mehr als wir es in Frankfurt gewohnt sind ;-).

Ver- und Entsorgung im Cirque de Mafate
Aber der Reihe nach... eingestiegen in den Cirque de Mafate sind wir am Col de Boeufs. Das Auto haben wir auf einem bewachten Parkplatz abgestellt. Erste Etappe des heutigen Tages ist Marla. Der bequem zu begehende Weg führt uns u.a. durch urige Tamarindenwälder. Nach ca. drei Stunden erreichen wir Marla. In Marla machen wir kurz Rast bei einer Hütte. Wir gönnen uns ein sandwich thon mais gratinée. Bei diesem auf La Réunion beliebten Snack handelt es sich um ein aufgeschnittenes Baguette, das in unterschiedlichen Varianten belegt und wenn gewünscht mit Käse überbacken wird.

Blick zurück in den Cirque de Salazie
Einstieg in den Cirque de Mafate
Durch Tamarindenwälder auf dem Weg nach Marla
Tamarinden
Blick nach Marla
Von Marla aus geht es weiter nach La Nouvelle, dem heutigen Etappenziel und Übernachtungsort. La Nouvelle ist der größte Ort im Mafate und auf viele Übernachtungsgäste eingerichtet. Ca. 800 Betten gibt es in La Nouvelle. Außerdem eine Schule, eine Kirche, eine Bäckerei, ein Tante-Emma-Laden, mehrere Restaurants und Bars (die meisten geschlossen), ein holpriger Fußballplatz und ein Bistro, das nach über 7 Stunden Wanderzeit unsere erste Anlaufstelle ist. Hier schließen wir den ersten Wandertag mit einem leckeren, wenn auch nicht eisgekühlten Dodo (lokales Bier, das nach dem ausgestorbenen Vogel Dodo benannt ist) ab.

Auf dem Weg nach Trois Roches
La Nouvelle
Le Dodo
Anschließend suchen wir unsere Unterkunft Oreo auf ("vor dem weißen Haus rechts und dann den Fußballplatz links liegen lassen"). Wir werden freundlich empfangen und können uns das Zimmer aussuchen -  wir sind die einzigen Gäste. Abends werden wir erneut mit kreolischen Leckereien bekocht, sogar der Kamin wird extra für uns entzündet, auch wenn die Temperaturen dies nicht unbedingt erfordern. Und selbstverständlich steht auch wieder eine Flasche Rhum arrangée auf dem Tisch ;-). Satt und zufrieden fallen wir ins Bett.

Am nächsten Morgen werden wir von der Sonne geweckt. Es scheint eine eindeutige Regel im Mafate und eigentlich auch auf ganz Réunion zu geben (zumindest im Februar)... vormittags ist es meist sehr schön, gegen Mittag ziehen Wolken auf und Nachmittags regnet es. Wir brechen daher früh auf. Aber nicht nur wegen dem Wetter, sondern weil uns heute eine sehr anstrengende Etappe mit vielen Höhenmetern bevorsteht. Bereits am ersten Tag ging es viel hoch und runter, aber das war harmlos im Vergleich zu dem, was uns heute erwartet (wie wir jetzt wissen).

Schon der Abstieg von La Nouvelle zum Rivière des Galets hat es in sich. Der Untergrund ist teilweise nass und rutschig und wir müssen uns den Weg oft "freischlagen". Offenbar wird der Weg nicht oft begangen und ist wenig gepflegt. Wir benötigen rund zwei Stunden für den Abstieg, mehr als wir eingeplant hatten. Unten angekommen macht uns die Querung des Flusses ebenfalls Schwierigkeiten. Durch die Regenzeit führt der Fluss viel Wasser und wir haben einige Mühe uns den richtigen Weg über die Steine und durch das Wasser zu suchen. Der Aufstieg auf der anderen Seite zum Col du Bronchard geht dann aber wieder besser. Gegen 12 Uhr erreichen wir den Gipfel. Wir lassen Roche Plate (der Ort, an dem wir ursprünglich übernachten wollten) links liegen und steigen erneut ab. Bei La Roche Ancrée müssen wir den Fluss erneut queren. Wieder keine einfache Aufgabe und leider muss Dani die Fluss-Querung diesmal mit dem Verlust eines ihrer Crocs bezahlen :-(. Eine Rettungsaktion wäre bei den Stromschnellen lebensgefährlich gewesen. So sind wir froh, dass wir nur einen Schuh verloren haben und hoffen, dass wir nun vorerst die größten Schwierigkeiten gemeistert haben. Leider hat uns das alles schon mehr Zeit gekostet als geplant und wir versuchen nun die verlorene Zeit wieder aufzuholen. Schließlich wollen wir noch vor Einbruch der Dunkelheit Îlet à Bourse erreichen. Es geht wieder aufwärts und abwärts und aufwärts, dann erreichen wir schon ziemlich am Ende unserer Kräfte Grand Place. Wir spielen bereits mit dem Gedanken in Grand Place zu bleiben, falls wir es nicht mehr nach Îlet à Bourse schaffen. Nach einem kurzen Austausch mit einer Einheimischen beschließen wir jedoch weiter zu gehen. Es sind noch ca. eineinhalb Stunden bis zu unserem Tagesziel. Gegen 18 Uhr treffen wir dort ein, ca. 9,5 Stunden nachdem wir in La Nouvelle aufgebrochen sind. Und wir werden mit dem Paradies belohnt. Die Gîte ist traumhaft und wir werden sehr herzlich willkommen geheißen (die eisgekühlten Dodos werden uns auch sofort gebracht ;-)). Jetzt wissen wir auch wieder, warum wir die Anstrengung immer wieder auf uns nehmen.

Blick in das Tal des Rivière des Galets
Abstieg zum Rivière des Galets...
... teilweise ist der Weg stark überwuchert.
Rivière des Galets
Der Weg durch den Fluss ist zwar markiert, teilweise aber wohl eher für die Nicht-Regenzeit.
Dani beim Furten
Nur noch ein Croc wandert weiter...
Tolle Unterkunft in Îlet à Bourse :-)
In Îlet à Bourse treffen wir ein französisches Paar, das allerdings bei München lebt und daher sehr gut deutsch spricht, und ihre Tochter, die ein viermonatiges Praktikum auf La Réunion macht. Wir können uns also endlich mal ohne Sprachbarriere austauschen und verbringen einen sehr netten Abend (bei natürlich wieder mal sehr leckerem Essen).

Am nächsten Tag ziehen wir gemeinsam los, da wir denselben Weg haben. Unsere letzte Etappe im Mafate ist wesentlich gemütlicher und wir können uns die müden Beine ein wenig locker laufen. Es ist nochmal ein schöner Tag mit sehr viel Sonne. Der Wald spendet angenehmen Schatten und auf dem weichen Boden lässt es sich sehr gut laufen. Wir machen noch einen Abstecher nach Îlet à Malheur, einem ebenfalls sehr idyllischen und friedlichen Dorf im Mafate. Anschließend geht es bergan auf dem Sentier Scout bis wir die Straße zum Col de Boeufs erreichen. Drei erlebnisreiche und wunderschöne Tage im Mafate gehen zu Ende. Wir verabschieden uns noch von unseren französischen Begleitern, vielleicht trifft man sich ja in St-Pierre wieder.

Eine Brücke, die uns das Furten auf der letzten Etappe erspart.
Helikopter sind wir auch schon geflogen ;-)
Stark duftende Pflanze, die auf La Réunion wächst wie Unkraut, und uns auf dem letzten Abschnitt des Weges treu begleitet (Schmetterlings-Ingwer).
Wir verabschieden uns nun fürs Erste von den Cirques. Unsere Fahrt geht weiter an die Ostküste nach Ste-Anne.















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