Sonntag, 21. Februar 2016

Cirque de Mafate

Drei atemberaubende Tage im Cirque de Mafate liegen hinter uns. Die Landschaft ist unglaublich vielfältig und einfach nur wunderschön. Und in den sehr idyllischen abgeschiedenen Dörfern ist die Welt scheinbar noch in Ordnung - jedenfalls in der Nebensaison. In der Hauptsaison ist sicherlich mehr los und man hat sich auf den Tourismus eingestellt.

Das Leben im Cirque de Mafate wird offensichtlich stark subventioniert. Jedes noch so kleine Dorf verfügt über eine Schule. Und auch die Gîtes werden zumindest teilweise von der Regierung unterstützt. Die Ver- und Entsorgung erfolgt aus der Luft - per Helikopter. Insbesondere morgens und nachmittags herrscht reger Flugbetrieb, fast mehr als wir es in Frankfurt gewohnt sind ;-).

Ver- und Entsorgung im Cirque de Mafate
Aber der Reihe nach... eingestiegen in den Cirque de Mafate sind wir am Col de Boeufs. Das Auto haben wir auf einem bewachten Parkplatz abgestellt. Erste Etappe des heutigen Tages ist Marla. Der bequem zu begehende Weg führt uns u.a. durch urige Tamarindenwälder. Nach ca. drei Stunden erreichen wir Marla. In Marla machen wir kurz Rast bei einer Hütte. Wir gönnen uns ein sandwich thon mais gratinée. Bei diesem auf La Réunion beliebten Snack handelt es sich um ein aufgeschnittenes Baguette, das in unterschiedlichen Varianten belegt und wenn gewünscht mit Käse überbacken wird.

Blick zurück in den Cirque de Salazie
Einstieg in den Cirque de Mafate
Durch Tamarindenwälder auf dem Weg nach Marla
Tamarinden
Blick nach Marla
Von Marla aus geht es weiter nach La Nouvelle, dem heutigen Etappenziel und Übernachtungsort. La Nouvelle ist der größte Ort im Mafate und auf viele Übernachtungsgäste eingerichtet. Ca. 800 Betten gibt es in La Nouvelle. Außerdem eine Schule, eine Kirche, eine Bäckerei, ein Tante-Emma-Laden, mehrere Restaurants und Bars (die meisten geschlossen), ein holpriger Fußballplatz und ein Bistro, das nach über 7 Stunden Wanderzeit unsere erste Anlaufstelle ist. Hier schließen wir den ersten Wandertag mit einem leckeren, wenn auch nicht eisgekühlten Dodo (lokales Bier, das nach dem ausgestorbenen Vogel Dodo benannt ist) ab.

Auf dem Weg nach Trois Roches
La Nouvelle
Le Dodo
Anschließend suchen wir unsere Unterkunft Oreo auf ("vor dem weißen Haus rechts und dann den Fußballplatz links liegen lassen"). Wir werden freundlich empfangen und können uns das Zimmer aussuchen -  wir sind die einzigen Gäste. Abends werden wir erneut mit kreolischen Leckereien bekocht, sogar der Kamin wird extra für uns entzündet, auch wenn die Temperaturen dies nicht unbedingt erfordern. Und selbstverständlich steht auch wieder eine Flasche Rhum arrangée auf dem Tisch ;-). Satt und zufrieden fallen wir ins Bett.

Am nächsten Morgen werden wir von der Sonne geweckt. Es scheint eine eindeutige Regel im Mafate und eigentlich auch auf ganz Réunion zu geben (zumindest im Februar)... vormittags ist es meist sehr schön, gegen Mittag ziehen Wolken auf und Nachmittags regnet es. Wir brechen daher früh auf. Aber nicht nur wegen dem Wetter, sondern weil uns heute eine sehr anstrengende Etappe mit vielen Höhenmetern bevorsteht. Bereits am ersten Tag ging es viel hoch und runter, aber das war harmlos im Vergleich zu dem, was uns heute erwartet (wie wir jetzt wissen).

Schon der Abstieg von La Nouvelle zum Rivière des Galets hat es in sich. Der Untergrund ist teilweise nass und rutschig und wir müssen uns den Weg oft "freischlagen". Offenbar wird der Weg nicht oft begangen und ist wenig gepflegt. Wir benötigen rund zwei Stunden für den Abstieg, mehr als wir eingeplant hatten. Unten angekommen macht uns die Querung des Flusses ebenfalls Schwierigkeiten. Durch die Regenzeit führt der Fluss viel Wasser und wir haben einige Mühe uns den richtigen Weg über die Steine und durch das Wasser zu suchen. Der Aufstieg auf der anderen Seite zum Col du Bronchard geht dann aber wieder besser. Gegen 12 Uhr erreichen wir den Gipfel. Wir lassen Roche Plate (der Ort, an dem wir ursprünglich übernachten wollten) links liegen und steigen erneut ab. Bei La Roche Ancrée müssen wir den Fluss erneut queren. Wieder keine einfache Aufgabe und leider muss Dani die Fluss-Querung diesmal mit dem Verlust eines ihrer Crocs bezahlen :-(. Eine Rettungsaktion wäre bei den Stromschnellen lebensgefährlich gewesen. So sind wir froh, dass wir nur einen Schuh verloren haben und hoffen, dass wir nun vorerst die größten Schwierigkeiten gemeistert haben. Leider hat uns das alles schon mehr Zeit gekostet als geplant und wir versuchen nun die verlorene Zeit wieder aufzuholen. Schließlich wollen wir noch vor Einbruch der Dunkelheit Îlet à Bourse erreichen. Es geht wieder aufwärts und abwärts und aufwärts, dann erreichen wir schon ziemlich am Ende unserer Kräfte Grand Place. Wir spielen bereits mit dem Gedanken in Grand Place zu bleiben, falls wir es nicht mehr nach Îlet à Bourse schaffen. Nach einem kurzen Austausch mit einer Einheimischen beschließen wir jedoch weiter zu gehen. Es sind noch ca. eineinhalb Stunden bis zu unserem Tagesziel. Gegen 18 Uhr treffen wir dort ein, ca. 9,5 Stunden nachdem wir in La Nouvelle aufgebrochen sind. Und wir werden mit dem Paradies belohnt. Die Gîte ist traumhaft und wir werden sehr herzlich willkommen geheißen (die eisgekühlten Dodos werden uns auch sofort gebracht ;-)). Jetzt wissen wir auch wieder, warum wir die Anstrengung immer wieder auf uns nehmen.

Blick in das Tal des Rivière des Galets
Abstieg zum Rivière des Galets...
... teilweise ist der Weg stark überwuchert.
Rivière des Galets
Der Weg durch den Fluss ist zwar markiert, teilweise aber wohl eher für die Nicht-Regenzeit.
Dani beim Furten
Nur noch ein Croc wandert weiter...
Tolle Unterkunft in Îlet à Bourse :-)
In Îlet à Bourse treffen wir ein französisches Paar, das allerdings bei München lebt und daher sehr gut deutsch spricht, und ihre Tochter, die ein viermonatiges Praktikum auf La Réunion macht. Wir können uns also endlich mal ohne Sprachbarriere austauschen und verbringen einen sehr netten Abend (bei natürlich wieder mal sehr leckerem Essen).

Am nächsten Tag ziehen wir gemeinsam los, da wir denselben Weg haben. Unsere letzte Etappe im Mafate ist wesentlich gemütlicher und wir können uns die müden Beine ein wenig locker laufen. Es ist nochmal ein schöner Tag mit sehr viel Sonne. Der Wald spendet angenehmen Schatten und auf dem weichen Boden lässt es sich sehr gut laufen. Wir machen noch einen Abstecher nach Îlet à Malheur, einem ebenfalls sehr idyllischen und friedlichen Dorf im Mafate. Anschließend geht es bergan auf dem Sentier Scout bis wir die Straße zum Col de Boeufs erreichen. Drei erlebnisreiche und wunderschöne Tage im Mafate gehen zu Ende. Wir verabschieden uns noch von unseren französischen Begleitern, vielleicht trifft man sich ja in St-Pierre wieder.

Eine Brücke, die uns das Furten auf der letzten Etappe erspart.
Helikopter sind wir auch schon geflogen ;-)
Stark duftende Pflanze, die auf La Réunion wächst wie Unkraut, und uns auf dem letzten Abschnitt des Weges treu begleitet (Schmetterlings-Ingwer).
Wir verabschieden uns nun fürs Erste von den Cirques. Unsere Fahrt geht weiter an die Ostküste nach Ste-Anne.















Samstag, 20. Februar 2016

Cirque de Salazie

Morgens werden wir von der Sonne geweckt und können endlich den Ausblick auf den Cirque genießen! Wir ändern spontan unsere Pläne und beschließen zunächst wandern zu gehen und erst später nach Hell-Bourg zu fahren. Man kann in der Nähe von unserer Unterkunft den Roche Écrite besteigen, von dem man einen sehr schönen Blick in den Cirque de Mafate haben soll. Die Aufstiegsvariante von Grand Îlet aus ist sehr steil, rund 1000 hm auf ca. 4,5 km. Leider zieht während unseres Aufstiegs immer mehr Nebel auf, so dass wir etwa bei der Hälfte abbrechen und wieder absteigen. Eine weitere Chance haben wir vielleicht am Ende unserer zwei Wochen auf La Réunion, es gibt noch eine weitere Aufstiegsvariante von St. Denis aus. Zum Einwandern und Akklimatisieren (man muss sich an Hochsommer im Februar erst gewöhnen) hat sich dieser kurze Abstecher aber dennoch gelohnt. Außerdem konnten wir tolle Ausblicke auf den Cirque de Salazie genießen.

Cirque de Salazie

Nach einer erfrischenden Dusche machen wir uns auf den Weg nach Hell-Bourg, vielleicht der schönste, v.a. aber der größte Ort im Cirque de Salazie. Dort steuern wir zunächst die Touristeninformation an, da wir für unsere dreitägige Wanderung im Cirque de Mafate noch bei den schon reservierten Unterkünften Frühstück und den Table d'hôte vorbestellen möchten. Da wir uns aufgrund unserer rudimentären Französisch-Kenntnisse ein Telefonat mit den jeweiligen Gastgebern nicht zutrauen, möchten wir uns durch die Touristeninformation helfen lassen. Wie sich dann herausstellt, war das eine sehr gute Idee, da wir so erfahren, dass die erste Unterkunft in Roche Plate uns gar nicht aufnehmen kann, da sie die ganze Woche geschlossen ist! Hätte die hilfsbereite Dame in der Touristeninformation dort nicht angerufen, wären wir nichtsahnend dorthin gewandert und hätten vor verschlossender Türe gestanden :-(. Da eine andere Unterkunft in Roche Plate nicht aufzutreiben ist (entweder ebenfalls geschlossen oder ausgebucht), ändern wir kurzerhand unsere geplante Tour ab und buchen für die erste Übernachtung eine Unterkunft in La Nouvelle. Von La Nouvelle aus ist es immer noch möglich Îlet à Bourse, wo wir die zweite Übernachtung reserviert haben (und die auch offen ist ;-)), innerhalb eines Tages zu erreichen. Allerdings wird das keine einfache Etappe... aber da müssen wir jetzt durch. Herausforderungen sind schließlich dazu da, um gemeistert zu werden.

Nach dieser kleinen Aufregung besichtigen wir noch Hell-Bourg, u.a. besuchen wir das Maison Folio, ein altes kreolisches Haus mit einem sehenswerten Garten. Abends essen wir im Restaurant ein traditionelles carri, Marcus die Fleisch-Variante und Dani die Fisch-Variante. Wieder sehr lecker und natürlich wieder abgeschlossen mit einem rhum arrangé. Anschließend geht es mit vollem Bauch erneut die Serpentinenstraße zurück nach Grand Îlet. Wir sind schon sehr gespannt auf unsere dreitägige Wanderung durch den Cirque de Mafate, der westlich vom Cirque de Salazie liegt und gänzlich unerschlossen, d.h. vollkommen autofrei ist.

Maison Folio
Maison Folio (Garten)

carri

Bienvenue à La Réunion

Nach 19-stündiger Anreise über Paris und Mauritius erreichen wir am 15.02.2016 gegen 10:30 Uhr Ortszeit endlich La Réunion. Die Abholung unseres Mietwagens - ein weißer Peugeot 2008 - verläuft reibungslos und wir sammeln erste Eindrücke von der Insel.

Bassin Boeuf

Nachdem wir uns am Bassin Boeuf ein wenig die Beine vertreten haben, machen wir uns auf die Suche nach einem Supermarkt für die Erstversorgung. Leider nicht ganz so einfach wie gedacht, wir irren ein wenig an der Küste herum, dann werden wir fündig. Ähnlich groß wie man es aus Frankreich gewöhnt ist. Kein Wunder, wir sind ja auch in Frankreich ;-).

Wir decken uns mit Baguette und Käse ein und fahren zum Cascade Niagara, um uns bei einem kleinen Picknick zu stärken. Eine große Leidenschaft der Inselbewohner, wie wir schnell merken. Sehr gepflegte und bestens ausgestattete Picknick-Plätze findet man hier an jeder Ecke. Meistens ist auch noch ein kleiner Verkaufsstand in der Nähe, an dem Snacks und Getränke verkauft werden.

Cascade Niagara

Ansonsten erinnert uns La Réunion auf den ersten Blick ein wenig an Hawai'i, vielleicht nicht ganz so exotisch, da doch vieles europäisch wirkt, z.B. die sehr gute Infrastruktur.

Nachmittags machen wir uns auf den Weg in den Cirque de Salazie, der östlichste von den drei Talkesseln auf La Réunion. Hier haben wir unsere erste Unterkunft in Grand Îlet gebucht. Hierfür müssen wir einer sehr kurvenreichen Straße bis fast in den nordwestlichsten Zipfel des Cirque folgen. Leider ist das Wetter nicht mehr ganz so gut wie bei unserer Ankunft, es regnet leicht und die Berge sind wolkenverhangen, so dass wir vom Cirque leider wenig sehen. Die Unterkunft ist dennoch schnell gefunden und wir beziehen unser Chambre d'hôte.

Unsere Unterkunft in Grand Îlet

Neben uns sind noch zwei weitere Zimmer mit Franzosen belegt, abends versuchen wir uns bei sehr guter kreolischer Küche in einem Misch-Masch aus Französisch und Englisch zu unterhalten.
Unter den Gästen ist ein älteres Ehepaar, das aus La Réunion stammt. Er kann überraschend gut Englisch und versorgt uns mit Tipps. Ansonsten merken wir, dass unser Schul-Französisch doch schon etwas angestaubt und die Verständigung während dieser Reise eher schwierig werden wird.

An diesem Abend lernen wir schon sehr viel über die Gewohnheiten der Réunionesen. Z.B. gehört zu jedem guten Abendessen ein rhum arrangé. Das ist ein i.d.R. hausgemachter Rum, der aus Zuckerrohr gewonnen wird und in den verschiedensten Geschmacksrichtungen erhältlich ist. Wir bekommen gleich drei verschiedene Sorten (Ananas, Passionsfrucht, Pflaume) von der Madame des Hauses zum Probieren angeboten (wohlgemerkt vor dem Essen). Das Essen selbst besteht eigentlich immer aus Reis, Linsen oder Bohnen, Fleisch oder Fisch, Gemüse und natürlich verschiedenen Varianten des Chouchou. Das ist eine sehr wohlschmeckende Rankpflanze, die hier auf der Insel wächst wie Unkraut. Man kann sowohl die Blätter als auch die Frucht, die ein wenig an Kartoffel erinnert, verarbeiten. Wir sind hellauf begeistert. Ein gelungener Start in unseren Urlaub!

Le Chouchou
Le Chouchou (Frucht)

Sonntag, 14. Februar 2016

es geht los ... mit einer kurzen kartographischen Einführung

In wenigen Stunden geht es los, wir starten in den Urlaub nach La Réunion und Mauritius. Zuerst müssen wir nach Paris fliegen und von dort aus geht es mit Air Mauritius nach Mauritius und dann mit einem letzten kleinen Flug weiter nach La Réunion.
Es wird ein sehr langer Flug, weil wir eben mitten in den indischen Ozean fliegen müssen und das dauert eben ;)



Hier erkennt ihr nun, wo die beiden winzigen Inseln überhaupt liegen ... östlich von Madagaskar, was östlich von Afrika liegt.
Die beiden Inseln für sich liegen relativ nah beieinander.



Mittwoch, 3. Februar 2016

Wir sind dann mal wieder weg...

Es wird mal wieder Zeit etwas weiter weg zu reisen. Wir begeben uns ab Mitte Februar auf eine europäisch-afrikanische Entdeckungsreise im indischen Ozean - wir besuchen die Makarenen :-).

Wir werden zunächst zwei Wochen lang auf La Réunion die südlichste Insel von Europa erkunden und uns anschließend auf Mauritius eine Woche lang davon erholen.



Wir freuen uns auf eine sehr spannende Insel, die zwar zu Frankreich gehört, aber auf engstem Raum die verschiedensten Kulturen miteinander vereint und durch einen wilden Mix aus europäischen, afrikanischen, indischen und chinesischen Einflüssen geprägt ist. Aber nicht nur kulturell, sondern vor allem landschaftlich hat die Vulkaninsel La Réunion einiges zu bieten: einen aktiven Vulkan, den höchsten Berg im indischen Ozean, einen fast völlig unerschlossenen Talkessel, Primärwälder, Wasserfälle und vieles mehr gilt es zu entdecken. Je mehr wir über La Réunion lesen, desto mehr fürchten wir, dass die zwei Wochen nicht ausreichen werden, um alles zu sehen.

Von Mauritius erwarten wir uns v.a. sehr viel Entspannung und laissez faire. Wir haben hier zwei vielversprechende Unterkünfte im Norden und Süden der Insel vorgebucht und wollen die Seele baumeln lassen.

Gespannt sind wir auch auf die kulinarischen Genüsse und die kreolische Küche. Wir haben auf La Réunion i.d.R. Gästezimmer, sog. "chambre d'hôte" vorgebucht, die einen "table d'hôte" (Gästetisch) anbieten. D.h. man sitzt mit allen Gästen gemeinsam am Tisch und bekommt von den Gastgebern ein lokales Menü gekocht.

Interessant wird auch sein, wie weit wir mit unserem etwas eingeschlafenen Schul-Französisch kommen werden. Aber zur Not haben wir ja noch Hände und Füße, um uns zu verständigen ;-).

Sonntag, 9. November 2014

Noch mehr amerikanische Geschichte in Washington, D.C.

Zum Abschluss unserer USA-Reise gab's in Washington, D.C. noch eine Menge amerikanische Geschichte oben drauf. Eine chronologische Fortsetzung dessen, was wir zuvor in "Philly" erfahren haben. Auf diese Weise haben wir unseren Urlaub mit Museumsbesuchen und einem Memorial-Rundgang in der Hauptstadt der USA ruhig ausklingen lassen.

Da wir nicht den Ehrgeiz (und auch die Zeit) hatten, alle 19 (!) Museen des Smithsonian zu besuchen (übrigens bei allen ist der Eintritt frei!), haben wir uns für das National Air and Space Museum und das National Museum of Natural History entschieden.


National Museum of Natural History.

Das National Air und Space Museum beherbergt wahre Schätze wie z.B. die Spirit of St. Louis, das SpaceShipOne, Amelia Earhart’s Lockheed Vega, 1903 Wright Flyer und ein original Lilienthal Gleiter. Und es gab hier auch eine kleine Hawaii-Sonderausstellung... der Kreis schließt sich (mal wieder) ;-).


Die Spirit of St. Louis, mit der Charles Lindbergh 1927 über den Atlantik geflogen ist.

An unserem letzten und gleichzeitig auch Abreise-Tag in Washington, D.C. sind wir einige der bekannten Memorials abgelaufen (quasi unser persönlicher Memorial Day ;-)). Die Memorials sind teilweise größere Anlagen mit eigenem Informationszentrum, jedes für sich stellt einen Nationalpark da und sind komplett unterschiedlich gestaltet. Begonnen haben wir mit dem Thomas Jefferson Memorial, dann sind wir weiter zum Franklin Delano Roosevelt Memorial spaziert. Von dort ging's weiter zum Martin Luther King, Jr. Memorial, zum Lincoln Memorial und zum Albert Einstein Memorial. Außerdem haben wir an dem Tag noch die Kriegs-Gedenkstätten Korean War Veterans Memorial, Vietnam Veterans Memorial, World War II Memorial und das berühmte Iwo Jima Memorial besucht. Auch ein Besuch des aufgrund seiner Ausmaße sehr beeindruckenden Arlington National Cemetery stand auf unserem Programm. Hier ist u.a. die Familie Kennedy begraben. Und um den "Kreis" zur Unabhängigkeit der USA, die uns ja bereits in Philly begegnet ist, zu schließen, haben wir schließlich auch noch Station am 56 Signers of the Declaration of Independence Memorial gemacht. Insgesamt haben wir also zehn Memorials an einem Tag "geschafft". Die Dichte und die Dimension dieser Bauten ist einzigartig. Aber auch der amerikanische Patriotismus ist hier sehr stark spürbar.


Martin Luther King, Jr. Memorial


Albert Einstein Memorial

Während unseres Aufenthaltes in Washington, D.C. warf der Veterans Day am 11.11.2014 seine Schatten voraus. Es war dadurch sehr voll auf der National Mall und insbesondere bei den Memorials und es wurde eine große Konzertveranstaltung mitten auf der National Mall vorbereitet. 


Blick vom Lincoln Memorial zum Washington Monument, dazwischen, am Ende des Reflecting Pool liegt sehr prominent das World War II Memorial.

Eigentlich hatten wir auch vor, das Washington Monument (555 Fuß hoch, wurde zu Ehren von George Washington errichtet) zu besuchen, haben dann aber doch darauf verzichtet, uns morgens früh um sieben in die Ticket-Schlange zu stellen ;-).

Washington Monument

Gestern abend ging es dann wieder heim, wir sind wohlbehalten wieder nach Frankfurt zurückgekehrt :-). In den nächsten Tagen gibt es noch ein Resumée und ein paar Fakten zu unserer Reise... dies ist also nicht unser letzter Blog-Eintrag ;-).   

Freitag, 7. November 2014

Philadelphia, Lancaster und Outlet-Stores

Am Tag nach dem Marathon haben wir dann New York auch schon wieder verlassen. Unsere Beine waren zwar noch etwas schwer und schmerzend, aber da wir ein Auto reserviert hatten, konnten wir uns gut im Auto zurücklehnen.
Unser erstes Ziel war Philadelphia, die fünftgrößte Stadt der USA und historische Geburtsstätte der unabhängigen neuen Welt am Ende des 18. Jahrhunderts. Wir wählten eine Unterkunft außerhalb, aber gut gelegen mit Zugverbindung in die Innenstadt.

Am Dienstagmorgen machten wir uns dann nach dem Frühstück bei Sonnenschein auf den Weg nach Downtown "Philly". Erster touristischer Abstecher war das Kunstmuseum, jedoch nicht wegen der Kunst, sondern wegen "The Italian Stallion - Rocky Balboa". Im ersten Rocky-Film aus dem Jahr 1976 rannte Sylvester Stallone alias Rocky hier die Treppen vor dem Museum hinauf, die Szene ist bei Filmfans sehr bekannt. Viele Besucher kommen nur her, um an den Treppen Fotos zu machen und wie "Rocky" hinaufzurennen. Auch ich bin natürlich hinaufgerannt, es war auch gleichzeitig das Auslaufen vom Marathon :). Neben den Treppen steht auch eine Statue von Rocky.



Nachdem wir das erste Highlight von "Philly" gesehen hatten, sind wir zum historischen Teil dieser Stadt gelaufen, um den Independence National Historical Park zu besuchen. Dort befindet sich u.a. die Independence Hall (damals Pennsylvania State House), in der am 4. Juli 1776 die Unabhängigkeitserklärung der USA verkündet und unterzeichnet wurde. Wir nahmen an einer kostenlosen Führung durch dieses Gebäude teil, besichtigten außerdem die Liberty Bell, die Glocke, die damals im Glockenturm der Independence Hall hing und geläutet wurde, als die Unabhängigkeitserklärung der Öffentlichkeit zum ersten Mal auf dem Independence Square verlesen wurde. Nachdem wir in Boston schon einiges über den Beginn des Unabhängigkeitsgedanken und -krieges der Vereinigten Staaten erfahren haben, waren wir hier nun an dem Platz, an dem die Unabhängigkeit vollzogen wurde.

Independence Hall

Liberty Bell (im Hintergrund die Independence Hall)



Um die ganze Historie ein wenig wirken und sacken zu lassen, machten wir uns auf die Suche nach einer neuzeitlichen Besonderheit von "Philly", dem Philly Cheesesteak. Nach einigem Suchen fanden wir gleich mehrere Pubs, die diese Besonderheit anboten, auch als Vegan-Variante ;).

Philly Cheesesteak


Am Mittwoch fuhren wir dann weiter in Richtung eines kleinen Städtchens mit dem Namen Lancaster, gelegen in Pennsylvania. Dorthin einen Abstecher zu machen hatte eher private Gründe. Ein guter Kollege aus dem BKG, der leider vor 10 Jahren verstorben ist, wuchs dort auf und ist heute dort auf dem National Cemetery begraben. Wir trafen dort seinen Bruder und auch seine Mutter.

Was wir vorher nicht wussten, war, dass Lancaster eine ganze Menge Outlet Stores hat, und zwar richtig gute Sportläden wie New Balance, Adidas, Puma, Skechers usw. Wir stöberten hier und da und fanden ein paar echte Schnäppchen. Beispiel: Laufschuhe von New Balance zum Preis von 30 $ ... es ist nicht bei einem Paar geblieben :). Da einige Größen und Modelle nicht zur Verfügung standen, haben wir auf dem Weg nach Washington D.C. noch eine weitere größere Outlet-Mall angesteuert. Auch hier haben wir wieder zugeschlagen. Die neue Lauf-Saison kann also kommen :). Problem wird nun langsam der Transport zurück nach Deutschland ;).

Nächstes und letztes Ziel unserer Reise ist nun mit noch mehr Gepäck die Hauptstadt der Vereinigten Staaten, Washington D.C.

Montag, 3. November 2014

Ein unvergesslicher Tag beim NYC Marathon und weitere Erlebnisse in New York City

Heute (und nicht zum ersten Mal in diesem Urlaub) klingelte der Wecker schon recht früh um 5.15 Uhr.... Marathon-Tag!! Durch die Zeitumstellung von Sommer- auf Winterzeit war uns aber eine Stunde mehr Schlaf gegönnt ;-).

Die Anreise zum Start auf Staten Island ist schon recht aufwändig, aber dafür erstaunlich gut organisiert. Es gibt im Grunde zwei Optionen, wie man zum Start kommt. Entweder man wird mit einem der zahlreichen Reisebusse, die von verschiedenen Punkten in der Stadt losfahren, direkt zum Start gebracht oder man nimmt die Fähre von Brooklyn nach Staten Island und wird dann wiederum vom Fähranleger mit Bussen zum Start gebracht. Wir waren eigentlich auf einen der Reisebusse gebucht, der vom Südende des Central Parks losfahren sollte, allerdings schon um 5:45 Uhr. Wir haben uns dann entschieden doch lieber die Fähre zu nehmen, zumal unsere Unterkunft in Brooklyn und damit recht günstig für die Anreise mit der Fähre liegt. Dadurch konnten wir auch rund 1,5 Stunden länger schlafen :-).

Um ca. 6.15 Uhr haben wir mit Sack und Pack das Haus verlassen. Auf dem Weg zur Subway blies uns schon ein kalter Wind entgegen... wir wussten, dass wir uns auf einen kalten und stürmischen Tag einstellen mussten. An der Subway-Station dann die erste Schrecksekunde. Wir konnten nicht wie erwartet mit unserer Startnummer die Subway kostenlos benutzen, sondern mussten ein Ticket lösen. Gott-sei-Dank hatte ich noch 10 Dollar eingesteckt. Die reichten zumindest für die Hinfahrt. Wie wir wieder zurück kämen haben wir da erstmal verdrängt.

Wir haben dann die Fähre um 7 Uhr genommen. Entgegen unserer Befürchtung, war die Überfahrt recht entspannt, es gab noch reichlich freie Sitzplätze und kaum Geschiebe und Gedränge. Auf der Insel angekommen haben wir uns noch ein wenig in der Station (und damit in der Wärme) aufgehalten, bevor wir uns der langen Läuferstraße zu den Transferbussen angeschlossen haben. Wenn man sich so umgeschaut hat, hatte man eher den Eindruck, dass eine Altkleidersammlung an einem vorbeiläuft und keine Läufer auf dem Weg zum Marathonstart. Da viele - wie wir auch - die Option "No baggage" gewählt hatten, d.h. keine Kleiderbeutel-Abgabe und -Transport zum Ziel, dafür aber weniger Weg nach dem Zieleinlauf und Entgegennahme eines wärmenden Ponchos, musste man sich entsprechend mit alten oder billigen Klamotten gegen die Kälte vor dem Start wappnen. Die Klamotten werden dann vor dem Start weggeworfen, als Kleiderspende eingesammelt und an Bedürftige weitergegeben. Wir haben uns zu diesem Zweck mit den klassischen "I LOVE NY"-Kapuzenpullovern ausgestattet, die wir zwei Tage zuvor in Chinatown "erhandelt" hatten.

"Läufer-Verschiffung".

Blick zurück nach Manhattan.

Warten in der Fährstation auf Staten Island.

Der Transfer vom Fähranleger zum Start dauerte dann noch einmal eine gefühlte Ewigkeit, gegen 8.50 Uhr waren wir endlich da. Dann "durften" wir noch etwas Zeit im Startbereich verbringen, hier gab's dann auch das "Marathon-Frühstück": Bagels, Energieriegel, Kaffee, Wasser, Iso-Getränke. Jeder suchte sich eine Ecke und war mit Decken und Pappen ausgestattet, um es sich halbwegs gemütlich zu machen. Wir kamen uns teilweise vor wie in einem Blockupy-Camp und nicht wie im Startvorbereich zu einem Marathon!

Vor dem Start.

Altkleidersammlung.

Um 10.15 Uhr öffnete dann endlich unsere Startwelle und um 10.55 Uhr fiel dann auch für uns der Startschuss. Da war das Profifeld schon jenseits der Halbmarathonmarke. Naja, und wir hatten im Grunde genommen auch schon unseren ersten Marathon, den Anreise-Marathon, hinter uns ;-).

Und dann ging es endlich los, und wie... die ersten Kilometer über die Verrazano Bridge hatten es echt in sich. Eiskalter böiger Wind aus allen Richtungen machte uns das Leben schon zu Beginn richtig schwer. Der Wind sollte während des gesamten Marathons unser ständiger Begleiter sein, mal mehr, mal weniger stark. Dazu kam ein recht anspruchsvoller welliger Kurs mit vielen Aufs und Abs. Kurzum, es war ein richtig hartes Stück Arbeit für uns.

Auf der Queensboro Bridge.

Das Entscheidende und Einzigartige am NYC Marathon ist die tolle Atmosphäre. Man spürt auf jedem Kilometer und jeder Meile, dass diese Stadt ihren Marathon einfach liebt. Von Anfang bis Ende eine tolle Stimmung, man wird gefeiert und aus vollem Herzen angefeuert, es ist laut, es gibt tolle Bands an der Strecke und unzählig viele Helfer, die sich um einen kümmern. Die New Yorker sorgen teilweise besser für die Verpflegung als der Veranstalter selbst, es werden Bananen, Salziges und Süßes gereicht, sogar Tücher, damit man sich auch mal den Schweiß von der Stirn wischen bzw. heute eher die Nase putzen konnte. Unglaublich oder einfach nur crazy... Ein weiteres Beispiel für die Begeisterung durfte ich in einer Kneipe erfahren, in die ich kurz mal auf der Suche nach einem "Restroom" eingebogen bin (die Schlangen an den Dixies waren doch recht lang). Nachdem der ersten "Restroom" besetzt war, rief mir die Bedienung zu, dass es im hinteren Teil noch einen weiteren "Restroom" gäbe, der Wirt zeigte mir den Weg. Nachdem ich den "Restroom" wieder verließ, folgte dann noch ein Foto von dem begeisterten Wirt ("She used my Bathroom!"), die ganze Kneipe grölte und gab mir noch ein paar gute Wünsche mit auf den Weg... so was erlebt man, glaube ich, nur in New York.

Im Aloha-Style beim NYC Marathon.

Dass es für uns hart werden würde, war uns vorher schon klar gewesen... miserabler Trainingszustand, Wind und Kälte sowie das Streckenprofil bedeuteten eine sehr schwere zweite Marathonhälfte, durch die wir uns irgendwie durchbeißen mussten. Wir haben es dann nach ca. 4:43 Stunden geschafft (für uns beide jeweils der langsamste Marathon, den wir je gelaufen sind) und waren glücklich im Ziel. Gegen 18 Uhr, d.h. ca. 12 Stunden nach Aufbruch waren wir dann wieder zu Hause und konnten endlich die müden Füße hoch legen. Ein ungewohnt langer Tag für einen Marathon!

Am Central Park angekommen.

Fazit: es war für uns beide ein unvergessliches Erlebnis und ein einzigartiger Tag, was vor allem an der außerordentlich tollen Atmosphäre und den positiv verrückten New Yorkern lag. Aufgrund der sehr aufwändigen und langwierigen Prozedur vor dem Start und der sehr hohen Teilnahmegebühren wird es wohl aber für uns ein einmaliges Erlebnis bleiben.

Glücklich im Ziel. Die Medaillen haben wir uns hart erkämpfen müssen.
 

Ach ja, und die Rückfahrt mit der Subway war dann tatsächlich kostenlos für uns. Den Dollar, den wir uns noch bei einer Helferin im Ziel erschnorrt hatten, brauchten wir dann doch nicht mehr ;-).

Der "Finisher-Wichtel" im wärmenden Poncho.

Neben dem Marathon - eindeutig der Höhepunkt während unseres Aufenthaltes in New York City - hatten wir zwei Tage lang Zeit, uns die Stadt anzusehen. Der Freitag war allerdings überwiegend geprägt durch die Marathon-Vorbereitung (Startunterlagen abholen, Shopping auf der Messe und später in diversen Sportgeschäften in Manhattan, Opening Ceremony im Central Park) und der Samstag total verregnet, so dass unser Aktivitäts-Spielraum etwas eingeschränkt war. Dennoch haben wir es geschafft, uns Strawberry Fields im Central Park, das Rockefeller Center und das 9/11 Memorial samt dem neuen World Trade Center anzuschauen. Außerdem haben wir die Aussicht und den Sonnenuntergang von Top of the Rocks genossen und sind über die Brooklyn Bridge spaziert.

Auf der Brooklyn Bridge.

Sonntag, 2. November 2014

noch einmal schlafen ... wir nehmen am New York City Marathon teil

Nun ist es nicht mehr lang hin. Wir werden noch einmal schlafen und morgen früh werden wir beim New York City Marathon am Start stehen. Wir sind schon sehr gespannt und die ganze riesige Stadt New York ist im Marathon-Fieber. Überall Läufer, viel Werbung usw ...


Wir sind soweit fit, heißt aber nur, dass wir vorbereitet sind und keine Zipperlein haben. Das Training kam leider in den letzten (Urlaubs-)Wochen ein wenig zu kurz bzw. fand gar nicht statt. Außer zwei Regenläufen, mehreren Wandertouren und einer knüppelharten Bergtour haben wir uns eigentlich nur regeneriert. Das kommt ja meistens zu kurz ... wir haben diesmal die Regeneration ein wenig in den Vordergrund gestellt ;).

Abholen der Startunterlagen.

Einstimmung auf der Opening Ceremony im Central Park mit Nationenparade und anschließendem Feuerwerk.


Der Marathon startet morgen um 9:10 Uhr mit dem Frauen-Profi-Feld, 9:40 dann mit den Profi-Männern und dem restlichen Starterfeld. Das gesamte Feld ist in vier Wellen mit verschiedenen Startzeiten unterteilt. Wir starten in der letzten Welle mit einer Startzeit erst um 10:55 Uhr.

Eurosport überträgt das Rennen live. Bei hoffentlich schönstem, aber kühlem Sonnenschein könnt ihr ja mal reinschauen. Die oben genannten Startzeiten sind natürlich New York Zeit. Da wir heute Nacht die Zeitumstellung von Sommer- auf Winterzeit haben (eine Stunde länger schlafen :)), sind es morgen dann auch wieder 6h später als in Deutschland. Wir starten also um 16:55 Uhr MEZ.

Wer uns am Tracker verfolgen möchte, hier unsere Startnummern. Dani hat die 58559 und ich die 58646. Unter folgendem Link soll man die Läufer tracken können: http://liveresults.nyrr.org.
Wer Eurosport nicht gucken will hier sind die offiziellen Streams aus dem Internet zu finden: http://www.tcsnycmarathon.org/about-the-race/tune-in-and-watch.

Viel Spaß beim gucken!! :)