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Mittwoch, 29. Oktober 2014

"still open" - Überraschung auf dem Mount Washington

Nachdem wir uns gestern dazu entschlossen hatten den Gipfel des Mount Washington zu Fuß zu erreichen und uns im Pinkham Notch Visitor Center ausführlich über die Aufstiegsvarianten und Wetterbedingungen informiert hatten, klingelte heute in aller Herrgottsfrühe der Wecker, da wir uns auf einen lange Wanderung einstellen mussten und noch vor Sonnenuntergang wieder vom Berg zurück sein wollten.

Die Aufstiegsroute, die uns empfohlen worden war, beginnt am Pinkham Notch Visitor Center. Hier bietet der Appalachian Mountain Club auch für alle Wanderer ein tolles Frühstück an, so dass wir uns vor der Wanderung noch einmal ordentlich stärken konnten.

Dann konnte es losgehen und es war - um das vorweg zu nehmen - ein tolles Abenteuer. Der Mount Washington ist nicht zu unterschätzen... der Trail selbst ist mit sehr vielen Kletterpassagen schon relativ anspruchsvoll, hinzu kommen die extremen Wetterbedingungen, für die der Berg bekannt ist und die wir auch kennen lernen durften. Schon nach wenigen Metern haben wir den ersten Schnee gesehen und so dauerte es auch nicht lange bis wir durch Schnee und Eis gehen mussten. Dabei hatten wir noch Glück - es hatte über Nacht zu tauen begonnen. Dennoch war höchste Konzentration gefordert. Über der Baumgrenze kam dann noch der Wind dazu, der mit der Höhe immer mehr zunahm. Als wir dann den Grat unterhalb des Gipfels erreicht hatten, blies uns der Wind mit einer Stärke von ca. 40 mph (ca. 65 km/h) um die Nase - das fühlt sich schon extrem an. Wenn man aber bedenkt, was hier schon für Windgeschwindigkeiten gemessen worden sind, dann war das wohl nur ein laues Lüftchen ;-). Kurz vor Erreichen des Gipfels kam dann auch noch dichter Nebel dazu (übrigens nicht ungewöhnlich, der Gipfel liegt durchschnittlich 300 Tage im Jahr im Nebel). Insgesamt also recht widrige Bedingungen an einem Berg, der "nur" 1.970 m hoch ist. In solchen Situationen wird man immer ganz gut "geerdet". Man ist den Elementen ausgeliefert und merkt wie klein und schwach doch der Mensch in dieser Welt eigentlich ist.

Auf dem Lions Head bekamen wir den Wind zum ersten Mal so richtig zu spüren.


Im Aufstieg zum Mount Washington.

Nach vier Stunden hatten wir es dann tatsächlich geschafft, wir sind trotz Kälte, Wind, Nebel, Eis und Schnee auf dem Gipfel angekommen :-). Aufgrund des Nebels haben wir jedoch wenig gesehen. Nachdem wir ein wenig umhergeirrt sind und Auto Road, Parkflächen, Eisenbahnschienen sowie verschiedene Gebäude entdeckt hatten, haben wir in einem der Gebäude Licht gesehen. Auf der Suche nach einer Örtlichkeit trauten wir uns schließlich hinein und entdeckten zu unserer großen Überraschung eine voll ausgestattete und v.a. warme und behagliche Bergstation. Nachdem wir jemanden gefunden hatten, wollten wir eigentlich nur fragen, ob wir die Toiletten benutzen dürften. Wie wir dann erfuhren, war aber die gesamte Station - das Sherman Adams Summit Building des Mount Washington State Park - "still open"!! Wir konnten das gar nicht glauben. Klar, der Shop mit den Summit-T-Shirts war schon geräumt, das Museum geschlossen und warmes Essen gab es auch nicht mehr. Dafür gab es aber tatsächlich eine Hot Chocolate für uns - ein Traum!!

Geschafft!!


Eine heiße Schokolade kann so glücklich machen :-).


Die Wetterbedingungen auf dem Gipfel. Wir haben einen "durchschnittlichen" Tag erwischt ;-).

Eigentlich hatten wir uns für den Rückweg einen etwas längeren, aber nicht weniger anspruchsvollen Trail ausgesucht. Aufgrund der Bedingungen und auf Anraten des Rangers, den wir auf der Bergstation angetroffen haben, wählten wir dann doch die noch etwas längere, aber sicherste Variante für den Abstieg und nahmen die Auto Road bis zum Meilenpunkt 2, von dem aus wir dann noch knapp zwei Meilen über den Appalachian Trail zurück zum Pinkham Notch Visitor Center gelaufen sind. Somit durften wir heute zum Abschluss erneut ein wenig Appalachian Trail-Luft schnuppern ;-).

Und wieder gesund vom Berg runter gekommen.

Insgesamt sind wir heute rund 19 km gewandert, haben etwa jeweils 1.300 Höhenmeter im Auf- und Abstieg bewältigt und haben dafür ca. 7:15 Stunden gebraucht.

Nach der Wanderung sind wir noch einen der schönsten Highways von Neuengland, den Kancamagus Highway nach Lincoln gefahren, wo unsere nächste Unterkunft liegt. Morgen geht's dann zurück nach Bosten, wo wir eine weitere Übernachtung haben, bevor uns dann am Donnerstag der Bus nach New York City bringt.

Schöner Sonnenuntergang über den White Mountains am Kancamagus Highway.
   

Dienstag, 28. Oktober 2014

Regen, Wind und "Off Season" am Moosehead Lake

Am ersten Morgen am Moosehead Lake erwartete uns, wie schon so oft in den letzten Tagen, eine Wolkendecke. Die Sonne schien nur noch leicht, bis dann irgendwann gar nicht mehr. Wir hatten eine Unterkunft in Greenville, dem Hauptort am See, gefunden.

Wir hatten von den Vermietern einen tollen Tipp zum Wandern in den umliegenden Wäldern bekommen, diesen wollten wir trotz des nun auch wieder einsetzenden Regens machen. Wir fuhren gut eine Stunde auf Waldwegen zu einem Parkplatz, starteten voller Vorfreude auf eine tolle Schlucht mit Wasserfällen (Gulf Hagas) den Trail. Doch schon nach ca. 300 m standen wir vor einem Problem ... einem Fluss. Zu breit und zu tief, um trockenden Fußes den auf der anderen Seite liegenden Wanderweg fortzusetzen :(. Wir hatten aber auch keine Lust barfuß zu furten. Also wanderten wir kurzerhand 750 m des ca. 3.500 km langen Appalachian Trails entlang, der hier vorbeiführte. Danach liefen wir zurück zum Auto. Gesamttour ca. 2 km!!

vorm Start unserer 2 km Tour
Doch wir gaben uns nicht so leicht geschlagen. Wir fuhren zum anderen Ende der Schlucht und wanderten dort ca. 3,5 km zum Beginn der Schlucht, leider auch wieder im leichten Regen. Der Pleasent River beginnt dort in die Schlucht Gulf Hagas hineinzufließen.
Mit dem Rückweg hatten wir dann wenigstens ca. 7 km zurückgelegt. Da nun auch der Wind ein wenig auffrischte, fuhren wir mit dem Auto zurück an den Moosehead Lake.

Schlucht "Gulf Hagas" östlich vom Moosehead Lake

Eigentlich wollten wir die kommende Nacht mal wieder im Zelt schlafen. Es sollte auch einen tollen State Park direkt am See geben. Wir fuhren hin, doch ... CLOSED!! Da die Temperaturen nun auch immer mehr abnahmen und der Wind noch stärker wurde, war das vielleicht auch gar keine so gute Idee mit dem Camping. Auf dem Rückweg nach Greenville sahen wir ein Schild mit Hütten direkt am See. "Das wäre doch was", dachten wir uns. Jedoch zeigte uns CLOSED auch hier wieder an, dass diese wohl gerade nicht geöffnet haben. Auch so einige andere Motels und Unterkünfte standen auf CLOSED, ein weiterer Wanderweg auf den sehenswerten Mt. Kineo war uns versperrt, weil die notwendige Fähre auf die andere Seite des Sees ebenfalls CLOSED war. Diverse Adventure Agenturen der Gegend (z.B. "Moose Safari") blieben uns auch verwehrt, weil ... richtig!! CLOSED. Selbst das Visitor Center war CLOSED, jedoch nur Mittwoch und Sonntag.
Der Vermieter unseres Motels, in dem wir auch die zweite Nacht schliefen (und komischerweise auch wieder erwartet wurden :) ), sagte immer was von "Low Season". Naja, wir denken eher, dass hier am Moosehead Lake gerade "Off Season" ist.
Auch die bereits unbelaubten Bäume hier oben im Norden machten es leider nicht gemütlicher. Bilder zeigten uns aber, dass die Gegend im Norden von Maine eine sehr tolle und gemütliche Gegend sein kann. Wir waren dann wahrscheinlich einfach nur 4-5 Wochen zu spät.

Am heutigen Tag fuhren wir dann gegen Mittag am Moosehead Lake los. Unser Ziel waren die White Mountains um den Mount Washington, gelegen in New Hampshire. Unterwegs hatten wir dann schönes sonniges Wetter, so dass die Autofahrt Spaß machte und die knapp 180 Meilen abwechslungsreich und interessant waren.
Angekommen im Örtchen Gorham informierten wir uns über die Aktivitäten für den morgigen Tag. Auch hier war CLOSED allgegenwärtig. Unterkünfte, Campingplätze usw ... alles schon geschlossen zu dieser Jahreszeit. Dann wollten wir wenigstens schauen, ob die "Mount Washington Auto Road" noch geöffnet war, damit wir auf den Berg kommen. Nein, auch CLOSED, genauso wie die Zahnradbahn, die von Westen her hochfährt.

Mount Washington Auto Road - CLOSED!

Was bleibt uns nun also noch übrig? Richtig!! Hochwandern :). Wir informierten uns im Pinkham Notch Visitor Center des Appalachian Mountain Club. Und siehe da, das ist möglich. Jedoch erwartet uns dort oben schon Eis und Schnee. Aber egal, wir packen gerade unsere ganzen Wintersachen und werden uns morgen in aller Frühe aufmachen, den höchsten Berg im Nordosten der USA zu erwandern. Nicht nur das, es ist zudem eine der windanfälligsten Gegenden der Erde. Hier wurde die weltweit höchste Windgeschwindigkeit mit 372 km/h gemessen.
Es sind ca. 4,3 Meilen auf den Gipfel mit ca. 4.200 Fuß Anstieg. Da heißt 6,9 km mit 1.280 Höhenmetern. Ganz schön anspruchsvoll, aber wir gehen das an. Alles andere ist ja CLOSED!